Freitag, 17. August 2012


Es ist nur eine Phase (bitte geh' vorbei).

Im Kerzenschein Rosenfels hören. Wein trinken. Sich zudecken, obwohl es warm ist. Wie schön wären ein warmer Kakao und Kekse?
Ob sie wohl noch immer Kerzenschein, warmen Kakao, Kekse und Decken liebt? Ganz bestimmt. Ob sie wohl noch immer von Zeit zu Zeit Rosenfels hört? Vielleicht. Ob sie dabei wohl an mich denken muss wie ich an sie? Wahrscheinlich nicht.

Irgendwo da draußen liegt sie in ihrem Bett und schläft. Vielleicht schläft sie auch nicht, unter Umständen stiehlt ihr ihre Tochter gerade in diesem Moment Stunden ihres Schlafes. Stunden, die man sich - das weiß ich aus eigener Erfahrung - gerne stehlen lässt. Der [entfernt, Januar 2014] schnarcht wahrscheinlich gerade neben ihr. Ich sollte wohl auch schlafen.

Ich hasse meine masochistische Ader. Ich konnte es nicht lassen und habe den Karton geöffnet. Den Karton mit der dicken Staubschicht drauf, umwickelt von zwei Rollen Klebeband und beschriftet mit der wenig aussagenden Zahlen "1999 - 2005". Ich hatte vor, den Karton mindestens zehn Jahre unter Verschluss zu halten. Ausgehalten habe ich lediglich siebeneinhalb. Mit einem Messer das Klebeband zerschnitten, mit zitternden Händen den Deckel angehoben, mit feuchten Augen den Inhalt betrachtet.

WIe passte all das in den (zugegeben recht großen) Karton? All die Erinnerungen an andere Zeiten. Der Ring, den ich unüberlegterweise über meinen Finger zog und nur mit größter Mühe und unter erschreckender Panik wieder abbekam. Die Briefe, die sie mir in all den Jahren schrieb, als wir noch liebeskranke Teenager waren (und auch noch danach). Die Briefe, die ich schrieb und die sie damals nicht mitgenommen hat. Das Fotoalbum mit den Fotos des kleinen Punks und der Prinzessin. Karten, die Ende der Neunziger und Anfang des Jahrtausends die Wand meines kleinen Zimmers zierten. Kuscheltiere. Passfotos, aus jedem verdammten Jahr eins, rückseitig mit Jahreszahl beschriftet (einige von ihnen an den Rändern abgenutzt, zierten sie doch mein Portemonaie).

In Anbetracht daran, dass derart viele Briefe, Karten und Geschenke von mir an sie in dieser Kiste lagen, liegt die Vermutung nahe, dass sie damals nicht das kleinste Erinnerungsstück mitnahm. Nach fast sechs Jahren: Nichts mitgenommen, was von mir blieb. Bitter, unsagbar bitter und doch tröstlich: Da ich all dies (für sie?) aufbewahrt habe, blieb dem Kram das Schicksal der Müllhalde erspart. Wären es nur die Gegenstände. Die Fotos und Briefe, die Geschenke und der Ring. Wäre es doch nur das Material. Wären es doch nicht die Erinnerungen, die mich innerlich auffressen. Und dies führt mich zwangsläufig zu jener Frage: Hat sie wenigstens Erinnerungen mitgenommen? Und wenn ja: Wo bewahrt sie ebendiese Erinnerungen auf? In einer Kiste, mit Klebeband verschlossen, beschriftet mit ein paar Zahlen, in einer dunklen Ecke ihres Gedächtnisses?

Samstag, 12. September 2009


Ein Drama in sechs Akten (Prolog).

Prolog:
In diesem Blog befinden sich nun mehr als zwei Dutzend Einträge. Ich schrieb sie im Grunde nur für mich, um etwas herauszulassen, was rauswollte. Etwas, das unter den Nägeln und auf der Seele brannte (und teilweise noch immer brennt). Es ging um Trauer und Hoffnung, vor allem aber um eines: Um den (missglückten) Versuch einer Ver- und Aufbearbeitung vergangener Jahre und verspielter Chancen. Eine handvoll Leute las diesen Blog mit - vor allem 2006, in der spannendsten Hochphase -, drückte mir die Daumen und klopfte mir die Schulter. Nichtsdestotrotz war es nie meine Intention, Leser zu ködern (auch wenn ich mich über Kommentare stets gefreut habe), sondern es war in erster Linie für mich.
Dieses wird der allererste Eintrag sein, der für jemand anderen ist. Dieser Eintrag ist für alle, die es interessiert, für alle, die es lesen und wissen wollen und allem voran für eine Person: Für LØne, meinen getreuen Sancho Panza. Der Fels in meiner Brandung stürmischer Gefühle. Die gute Seele, an meiner Seite, die manchmal mehr von mir zu wissen scheint, als ich selbst. Er bekam alles, den Kampf und das Versagen, das Hoffen und Scheitern mit; er saß bei diesem Trauerspiel, wenn nicht in der ersten Reihe, so doch zumindest in der zweiten. Und da er nicht gerade der Kleinste ist, war das letzten Endes, als säße er doch ganz vorne. Er weiß, wie die Dinge stehen und weiß, wie ich darüber denke. Doch was er nicht weiß und kennt: Wie die Dinge ihren Lauf nahmen.
Wenn es einer wissen sollte, dann er. Zum einen, weil er einfach das Anrecht darauf hat, betrachte ich ihn doch - da muss ich ehrlich sein - als meinen besten Freund. Zum anderen, weil die Story, die hinter allem steht, einfach zu schön ist, irgendwie.
Vielleicht ist sie das auch nicht und mir als Hauptakteur kommt sie lediglich so vor. Das zu entscheiden, liegt ganz allein in Deiner Hand, Leser. Und in Deiner, Bruder. Lehnt Euch zurück, entspannt Euch. Hier nun das Drama in sechs Akten. Es beginnt, anders als man denken mag, nicht etwa in dem häufig von mir erwähnten Jahr 1999; nein, es beginnt viel früher. Vorhang auf für Collegejacken und Polohemden, für weiße Turnschuhe und hochgegeltes Haar: Das hier sind die 80er, Ladies & Gentlemen!

Die nachfolgenden Teile des Dramas (Akt I - V) wurden von mir offline gesetzt. Tja...und Akt VI habe ich ja aus persönlichen Gründen ohnehin nie fertig geschrieben.
-Trenchcoat, Januar 2014

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Zuletzt aktualisiert: 12. Aug, 20:31

Ein Drama in sechs Akten.
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