Es ist nur eine Phase (bitte geh' vorbei).
Im Kerzenschein Rosenfels hören. Wein trinken. Sich zudecken, obwohl es warm ist. Wie schön wären ein warmer Kakao und Kekse?
Ob sie wohl noch immer Kerzenschein, warmen Kakao, Kekse und Decken liebt? Ganz bestimmt. Ob sie wohl noch immer von Zeit zu Zeit Rosenfels hört? Vielleicht. Ob sie dabei wohl an mich denken muss wie ich an sie? Wahrscheinlich nicht.
Irgendwo da draußen liegt sie in ihrem Bett und schläft. Vielleicht schläft sie auch nicht, unter Umständen stiehlt ihr ihre Tochter gerade in diesem Moment Stunden ihres Schlafes. Stunden, die man sich - das weiß ich aus eigener Erfahrung - gerne stehlen lässt. Der [entfernt, Januar 2014] schnarcht wahrscheinlich gerade neben ihr. Ich sollte wohl auch schlafen.
Ich hasse meine masochistische Ader. Ich konnte es nicht lassen und habe den Karton geöffnet. Den Karton mit der dicken Staubschicht drauf, umwickelt von zwei Rollen Klebeband und beschriftet mit der wenig aussagenden Zahlen "1999 - 2005". Ich hatte vor, den Karton mindestens zehn Jahre unter Verschluss zu halten. Ausgehalten habe ich lediglich siebeneinhalb. Mit einem Messer das Klebeband zerschnitten, mit zitternden Händen den Deckel angehoben, mit feuchten Augen den Inhalt betrachtet.
WIe passte all das in den (zugegeben recht großen) Karton? All die Erinnerungen an andere Zeiten. Der Ring, den ich unüberlegterweise über meinen Finger zog und nur mit größter Mühe und unter erschreckender Panik wieder abbekam. Die Briefe, die sie mir in all den Jahren schrieb, als wir noch liebeskranke Teenager waren (und auch noch danach). Die Briefe, die ich schrieb und die sie damals nicht mitgenommen hat. Das Fotoalbum mit den Fotos des kleinen Punks und der Prinzessin. Karten, die Ende der Neunziger und Anfang des Jahrtausends die Wand meines kleinen Zimmers zierten. Kuscheltiere. Passfotos, aus jedem verdammten Jahr eins, rückseitig mit Jahreszahl beschriftet (einige von ihnen an den Rändern abgenutzt, zierten sie doch mein Portemonaie).
In Anbetracht daran, dass derart viele Briefe, Karten und Geschenke von mir an sie in dieser Kiste lagen, liegt die Vermutung nahe, dass sie damals nicht das kleinste Erinnerungsstück mitnahm. Nach fast sechs Jahren: Nichts mitgenommen, was von mir blieb. Bitter, unsagbar bitter und doch tröstlich: Da ich all dies (für sie?) aufbewahrt habe, blieb dem Kram das Schicksal der Müllhalde erspart. Wären es nur die Gegenstände. Die Fotos und Briefe, die Geschenke und der Ring. Wäre es doch nur das Material. Wären es doch nicht die Erinnerungen, die mich innerlich auffressen. Und dies führt mich zwangsläufig zu jener Frage: Hat sie wenigstens Erinnerungen mitgenommen? Und wenn ja: Wo bewahrt sie ebendiese Erinnerungen auf? In einer Kiste, mit Klebeband verschlossen, beschriftet mit ein paar Zahlen, in einer dunklen Ecke ihres Gedächtnisses?
Ob sie wohl noch immer Kerzenschein, warmen Kakao, Kekse und Decken liebt? Ganz bestimmt. Ob sie wohl noch immer von Zeit zu Zeit Rosenfels hört? Vielleicht. Ob sie dabei wohl an mich denken muss wie ich an sie? Wahrscheinlich nicht.
Irgendwo da draußen liegt sie in ihrem Bett und schläft. Vielleicht schläft sie auch nicht, unter Umständen stiehlt ihr ihre Tochter gerade in diesem Moment Stunden ihres Schlafes. Stunden, die man sich - das weiß ich aus eigener Erfahrung - gerne stehlen lässt. Der [entfernt, Januar 2014] schnarcht wahrscheinlich gerade neben ihr. Ich sollte wohl auch schlafen.
Ich hasse meine masochistische Ader. Ich konnte es nicht lassen und habe den Karton geöffnet. Den Karton mit der dicken Staubschicht drauf, umwickelt von zwei Rollen Klebeband und beschriftet mit der wenig aussagenden Zahlen "1999 - 2005". Ich hatte vor, den Karton mindestens zehn Jahre unter Verschluss zu halten. Ausgehalten habe ich lediglich siebeneinhalb. Mit einem Messer das Klebeband zerschnitten, mit zitternden Händen den Deckel angehoben, mit feuchten Augen den Inhalt betrachtet.
WIe passte all das in den (zugegeben recht großen) Karton? All die Erinnerungen an andere Zeiten. Der Ring, den ich unüberlegterweise über meinen Finger zog und nur mit größter Mühe und unter erschreckender Panik wieder abbekam. Die Briefe, die sie mir in all den Jahren schrieb, als wir noch liebeskranke Teenager waren (und auch noch danach). Die Briefe, die ich schrieb und die sie damals nicht mitgenommen hat. Das Fotoalbum mit den Fotos des kleinen Punks und der Prinzessin. Karten, die Ende der Neunziger und Anfang des Jahrtausends die Wand meines kleinen Zimmers zierten. Kuscheltiere. Passfotos, aus jedem verdammten Jahr eins, rückseitig mit Jahreszahl beschriftet (einige von ihnen an den Rändern abgenutzt, zierten sie doch mein Portemonaie).
In Anbetracht daran, dass derart viele Briefe, Karten und Geschenke von mir an sie in dieser Kiste lagen, liegt die Vermutung nahe, dass sie damals nicht das kleinste Erinnerungsstück mitnahm. Nach fast sechs Jahren: Nichts mitgenommen, was von mir blieb. Bitter, unsagbar bitter und doch tröstlich: Da ich all dies (für sie?) aufbewahrt habe, blieb dem Kram das Schicksal der Müllhalde erspart. Wären es nur die Gegenstände. Die Fotos und Briefe, die Geschenke und der Ring. Wäre es doch nur das Material. Wären es doch nicht die Erinnerungen, die mich innerlich auffressen. Und dies führt mich zwangsläufig zu jener Frage: Hat sie wenigstens Erinnerungen mitgenommen? Und wenn ja: Wo bewahrt sie ebendiese Erinnerungen auf? In einer Kiste, mit Klebeband verschlossen, beschriftet mit ein paar Zahlen, in einer dunklen Ecke ihres Gedächtnisses?
Trenchcoat - 17. Aug, 02:55
