Montag, 11. Januar 2016


Deja-Vu

Vor fast genau zehn Jahren befand ich mich an genau dieser Stelle wie vor wenigen Minuten, schaute genauso durch das Fenster, als im Radio genau dieser Song kam. James Blunt, Bautiful. Und genau wie eben dachte ich an sie, und an all das, was wir hatten. Vergessen könnte leichter sein.

»...but it's time to face the truth:
I will never be with you.«

(James Blunt, "Beautiful")

Donnerstag, 30. Januar 2014


Sturm auf die Bastille.

Tja, da habe ich hier doch tatsächlich ein wenig rumgemodelt? Diverse Einträge wurden entfernt, wie bspw. das ellenlange "Drama in 6 Akten". Andere wurden ein wenig gekürzt. Bei manchen habe ich das Datum geändert, weil es Rückschlüsse auf andere Ereignisse gegeben hätte. Und bei ca. 50% ist das Datum vollkommen durcheinander gekommen, da ich Held nicht darauf geachtet habe, dass das Datum hier in amerikanischer Schreibweise festgehalten wird. Kann ich jetzt nicht mehr ändern, ist aber auch egal.
Ein oder zwei Einträge habe ich jetzt gar nicht mehr wiedergefunden, wer weiß, wo die gelandet sind. Ja, so geht das, wenn man mal eben "nebenbei" mehrere Einträge auf einmal ändern möchte...was soll's.
An Diejenige, für die ich mir hier die Arbeit gemacht habe, das ganze jugendfrei und gewissenrein zu gestalten: Viel Spaß. Aber mach nichts kaputt.


Beste Grüße,
Trenchcoat

Mittwoch, 12. Dezember 2012


Umzug:

Für die, die es interessiert: Ich bin umgezogen und von nun an unter www.regenhund.de zu erreichen!

Donnerstag, 20. Dezember 2012


Du bringst mich um (Schlaf und Verstand).

Kurz vor eins. Ich sollte schlafen. Seit fast zwei Stunden liege ich im Bett, finde keine Ruhe und tippe nun auf meinem Handy diesen Beitrag.
Weil mir Deine Nachricht nicht aus dem Kopf geht. Weil ich Dich, wenn ich meine Augen schließe, vor mir stehen sehe. Weil das einfach nicht weggeht.

Es war hart, vor ein paar Monaten, doch diese Phase ging vorbei. Und nun? Vielen Dank auch...
Du fehlst.

Sonntag, 14. Oktober 2012


:shatter:

Days of planning. Weeks of building. Months of perfecting. Seconds of smashing.

Montag, 24. September 2012


Ein Drama in sechs Akten: Akt V.3

Akt V.3: Alles auf eine Karte (Climb that goddamn mountain). (Juli - August 1999)

»Because in the end you won't remember the time you spent working in the office or mowing your lawn. Climb that goddamn mountain.«
-Jack Kerouac


Am nächsten Tag rief ich an, um mich für den tollen Tag zu bedanken und weckte damit ein weiteres Mal die Neugier und Missgunst ihrer Mutter (haaaallo, werte Fr. Mutter: Ihre Tochter war zu dem Zeitpunkt schon volljährig...okay, ich hingegen nicht).
Kurz darauf schrieb ich ihr einen Brief, den ich ihr am Montag, den 12.07.1999 zur Bushaltestelle brachte, als sie zur Schule fuhr. Ich weiß nicht mehr, was ich darin schrieb, kann lediglich den Inhalt erahnen anhand ihres Briefes, den sie zurückschrieb1. Ich liebte seit jeher das Führen der Feder, das Spiel mit Worten und Satzzeichen; dementsprechend wurde der Brief auch verdammt lang. Ich machte Komplimente (worin sie bestanden, kann ich wie schon erwähnt nicht mehr sagen, es sollte mich aber wundern, wenn es grundsätzlich andere waren als jene, die ich noch heute für sie übrig habe), laberte albernen Scheiß und erzählte von meinem Tag. Sie antwortete am nächsten Tag, ich wiederum am Tag darauf, dann wieder sie. Die Abstände unserer Korrespondenz waren herrlich kurz.
Im zweiten Brief fragte ich, ob sie Lust habe, mit mir ins Kino zu gehen. Sie stimmte dem grundsätzlich zu, versah es aber mit der (rhetorischen) Frage, ob ich mit ihr alleine gehen wolle oder ob ihre Freundin (vgl. Akt V.1) mitkommen dürfe. Im gleichen Brief gab es übrigens den ersten Dämpfer dieser Phase; sie äußerte, ich scheine ja ganz schön in sie verliebt zu sein – nur sie leider nicht in mich. Ich meine, das war mir klar, aber trotzdem wieder die alte Frage: Aufgeben oder weitermachen? Am besten: Erstmal Kino.

Und genau da gingen wir tags darauf auch hin, zu zweit. Im Kino, dem einzigen, welches diese Stadt damals zu bieten hatte, lief „Notting Hill“. Für mich bis heute einer der schönsten Filme aller Zeiten und noch immer frage ich mich: Wegen der Story, weil meine Lieblingsschauspielerin die Hauptrolle hat oder weil ich mit ihr das erste Mal zusammen in diesem Film war? Ich weiß es nicht, aber ich denke, es ist von allem etwas und vom Letzten das meiste. Es war ein schöne Nachmittag, nach dem Kino waren wir beim Griechen und aßen noch 'nen Happen.

Irgendwann, ich saß in meinem Zimmer und schrieb an einem Brief für sie, klingelte es an meiner Tür (ich hatte meinen eigenen Eingang in die Wohnung). Meine mir gottgegebene Paranoia verbietet es mir bis heute, blind die Tür zu öffnen, also schaute ich aus dem Fenster. Unten stand sie, mit ihrem Hund und sagte, sie sei in der Gegend gewesen („In der Gegend gewesen?“ - in diesem kleinen Dorf ist man, egal wo man sich aufhält, immer „in der Gegend“) und ob sie denn kurz hochkommen dürfe. Ein Schulterblick verriet mir nur eines: Auf keinen Fall! Ich bin absolut chaotisch und war es schon immer, aber das muss man ja seiner Angebeteten nicht gleich auf die Nase binden. Ich habe keine Ahnung, wie ich es ihre sagte, dass das im Augenblick nicht ginge, ich weiß nur, dass sie ein wenig eingeschnappt war deswegen. Am gleichen Tag räumte ich auf wie ein Berserker – es kostete mich den gesamten Rest des Tages – um nicht noch einmal in dieser miesen Situation zu sein.

Es gibt eigentlich darüber hinaus nicht viel zu erzählen: Man schrieb sich, man traf sich, man schrieb sich, man traf sich. Meist schrieb man vor dem Treffen und gab den Brief dann, wenn der jeweils andere da war (mittlerweile traf man sich auch bei mir), hörte Musik, lag still auf dem Bett oder redete über Gott und die Welt. Heute steh ich staunend vor den Trümmern der Gewesenen und erinnere mich lächelnd an die Arg- und Sorglosigkeit, die unser Leben damals hatte.

In den Briefen wuchs das HDL zu HDGDL, das "Hallo" zu "Hallo Süßer". Man bewegte sich langsam fort, aber man befand sich doch anscheinend auf der Gewinnerstraße. Immer wieder war ihr Zweifel ein Thema – bis zum Brief vom 23.07.: Sie zählte die Gründe auf, die sie davon abhielten, etwas mit mir anzufangen (hey: Wir sahen uns täglich, wir schrieben alle zwei Tage einen Brief, wir hingen bis drei Uhr morgens zusammen ab, sahen fern, hörten Musik oder lagen uns in den Armen – wir waren längst mittendrin, aber so richtig war uns das beiden nicht bewusst). Die Gründe waren hart2, ich war am Heulen und zerriss den Brief. Nur um ihn kurz darauf unter Tränen wieder zusammenzukleben. Sie schrieb neben den erwähnten Gründen von zwei weiteren, die sie aber nicht niederschreiben wolle, weil sie befürchte, dass sie dann vollkommen untendurch sei bei mir. Ich weiß nicht, ob ich sie im Nachhinein je fragte, was das für Gründe gewesen seien, aber falls ja: Ich kann mich nicht daran erinnern.
Das Erwähnen der Gründe wäre hier überflüssig (und darüber hinaus für meine geschundene Seele zu hart), aber einer davon war jener: Das ich eben ich war. Mir war klar, dass mir das im Weg stand. Der kleine Punker, den die anderen im Dorf nur kopfschüttelnd betrachteten. Der Typ, vor dem einen die Eltern immer warnten, ohne ihn zu kennen. Der Chaot und der alberne Kerl mit den kaputten Klamotten. Der, der doch bestimmt auch die ganzen Mauern vollgeschmiert hatte. Der Kinderfresser.
Sie brachte mir abends den Brief, ging nach Hause und bereute ihre Zeilen. Sie schrieb einen weiteren Brief und mein Herz wurde nur für 12 Stunden gebrochen. Das war zu ertragen. Es war hart, aber zu ertragen.

Es ist überflüssig, weitere Einzelheiten, die ohnehin nur langweilen, rauszuhauen. Kein Satz, kein noch so langer Text kann im Endeffekt ausdrücken, wie sehr ich kämpfen musste. Es war hart, es kostete Kraft und brachte mich immer wieder zum Verzweifeln. Ich frage mich, warum ich nicht aufgab, um sie zu werben. Aber ich hatte Erfolg: Im August kamen wir zusammen.
Für mich war alles gut, alles herrlich; für sie war das nächste halbe Jahr ein Wechselbad zwischen Himmel und Hölle: Mit mir glücklich, gesellschaftlich (innerhalb vom Bekannten- und Freundeskreis, familiär,etc...) auf dem Abstellgleis. Es machte schnell die Runde, dass sie mit mir zusammen sei3. Dafür bekam sie keinen Applaus. Ich danke Gott, dass sie durchhielt.


1Denn entgegen meiner Aussage, die ich hier in einem Beitrag getätigt habe, bin ich doch nicht mehr im Besitz der Briefe, die ich damals an sie schrieb. Sie hat sie damals mitgenommen und unter diesem Aspekt gehe ich davon aus, dass sie spätestens vor sechs Jahren im Altpapier gelandet sind.
2Keiner dieser Gründe trifft heute mehr wirklich zu. Man wurde älter und hat sich nun einmal verändert. Ich habe mich oft gefragt, was sie wohl, würde sie mich jetzt kennenlernen, denken würde. Was würde sie sagen, wenn sie mich jetzt sehen könnte?
3Es ist mir unverständlich, wie ich damals so bekannt sein konnte: Selbst eine sehr, sehr gute Freundin von ihr, die mit ihr in die Schule gegangen war (und zwar in der in Akt II erwähnten Stadt, also eine Person, die ich nicht einmal annähernd kannte, die in einem anderen Ort, den ich nie betrat, wohnte), war darüber schockiert. Dies ist eine seltsame Angewohnheit von mir, mein Ruf schien mir damals vorausgeeilt zu sein. Das tut er komischerweise bis heute: Jüngst „bewarb“ ich mich auf einer anderen Station, auf der ich rein gar keinen kenne – und die Aussage der Chefin war: "Na, von Ihnen habe ich ja schon einiges gehört..."

Freitag, 21. September 2012


Die sieben ist alles.

Sieben Jahre und
sieben Monate und
sieben Tage und
sieben Stunden und
sieben Minuten.

Forever and counting.

Montag, 17. September 2012


Ein Drama in sechs Akten: Akt V.2.

Akt V.2: Könige für einen Tag. [Juli 1999]

09.07.1999:
Ein verdammt heißer Tag im Juli. Lee Hazlewood (†78) feierte seinen siebzigsten Geburtstag. Ich stand vorm Spiegel und suchte verzweifelt ein paar "vernünftige" Klamotten aus - was auch immer das bei meinem damaligen XXL-Kleidungsstil bedeuten sollte -,hatte dreimal geduscht und roch wie eine Parfümerie. Warum ich all das tat? Ich weiß es nicht.

Für 16:00 Uhr war das Treffen angedacht, vor dem Haupteingang des Schützenfestes. Ich rannte die Treppenstufen hinunter, schwang mich auf meinen geliebten Drahtesel und machte mich auf die 40-minütige Fahrt zum Festplatz. Wie ein Berserker trat ich in die Pedale und das Duschen war letzten Endes vollkommen überflüssig.
Da ich am Nebeneingang ankam, musste ich zuerst den Festplatz überqueren und dachte, es wäre doch eine nette Geste, an der Schießbude eine Plastikrose zu schießen. Ja, da kam der Plastikrosenromantiker in mir zum Vorschein. In Anbetracht der Tatsache, dass ich mich jedoch zuvor auf meinem Drahtesel vollkommen verausgabt hatte, war das Halten der Flinte (abgesehen davon, dass Schützenfestgewehre grundsätzlich verzogen sind) nahezu unmöglich und ich verschoss - trotz meines Talentes auf dem Gebiet! - einige Märker. Als ich endlich das rote Plastikteil erschossen hatte, machte ich mich flugs und mit einigen Minuten Verspätung auf den Weg zum Haupttor.

Sie stand bereits da, ein wenig gervt von meiner Unpünktlichkeit, für die ich ohnehin grundsätzlich bekannt bin – und mir fiel die Kinnlade vors Schienbein. Ich erwähnte bereits (vgl. Akt II) ihre Anmut und Schönheit in den stillen Momenten, wenn sie nichts weiter tut als zu stehen und zu schauen, zu schweigen und zu beobachten. Das Sonnenlicht fiel durch die den Platz umgebenden Bäume in Streifen auf ihr Gesicht und ich fühlte mich schlagartig um Jahre zurückversetzt, bereit, den Boden erneut zu küssen, auf dem sie ging. Dreimal tief durchatmen, das ganze als Produkt der Fantasie und der Schattenspiele auf ihrem Gesicht abtun – und die letzten paar Meter nehmen.

Man begrüßte sich, vermied eine Umarmung. Das ließ meine Zurückhaltung nicht zu. Gemeinsam drehte man seine Runden über den Festplatz. Man lachte, trank, aß und vor allem: Man unterhielt sich. Hätte man mich vorher gefragt, worüber ich mich mit ihr unterhalten sollte, so wäre mir nicht viel eingefallen; aber in Anbetracht der Tatsache, dass meine Welt so unendlich weit von ihrer entfernt schien (und umgekehrt), gab es viel zu erzählen. Die Fahrgeschäfte wurden mitgenommen (in einige musste sie alleine gehen, da war ich zu sensibel für – und erst auf harten Macker machen und dann kurz darauf kotzen kommt selten gut an), man alberte rum – vor allem ich: In einem unerwarteten Maße stieg immer mal wieder meine Unsicherheit – dabei waren wir doch beide nur hier, weil wir nichts besseres zu tun hatten? Während wir in einem Fahrgeschäft saßen, fiel mir ein, dass ich noch immer die Plastikrose in der Tasche hatte. Nach der Fahrt wollte ich sie nebenbei rausholen, griff in die Seitentasche – und stellte fest, dass das Ding die vorherigen Fahrten nicht überlebt hatte. Der Kopf war abgebrochen, der Stengel dreimal geknickt und ich fand ein einzelnes Plastikblatt am Grund der Tasche. Schade drum, doch irgendwie war ich auch froh darüber.

Die Stunden vergingen im Flug und es hatte mich – wieder einmal – vollkommen erwischt. Es war mir vollkommen unverständlich, wie ich immer wieder, jedes Mal aufs Neue, diesem Mädchen verfallen konnte. Wir saßen uns in der Pommes-/Bratwurstbude gegenüber und ich starrte wie blöd auf meine Finger, nur um nicht in ihren tiefen braunen Augen zu versinken. Ich erinnere mich, dass wir uns irgendwann an diesem Tag eine Fanta teilten, weil sie keine ganze trinken wollte. Ich werde nie vergessen, wie ich jedes Mal gewartet hatte, bis sie durch die Gegend schaute, damit ich selbst einen Schluck nehmen konnte. Nur weil ich – verständlicherweise! - nicht wollte, dass sie sieht, wie sehr meine Hände zitterten, während ich ihr vis-a-vis saß.

Der Höhepunkt dürfte unbestritten das Feuerwerk gewesen sein. Wir beide sprachen noch viele Jahre immer wieder davon und lediglich die Tatsache, dass wir es beide gleich erlebten, lässt mich wissen, dass ich das nicht geträumt habe oder es im Laufe der Jahre zu einer nicht wahrheitsgetreuen jedoch romantischen Verklärung kam.
Kurz vor Mitternacht entschieden wir uns, in das Riesenrad zu gehen; um genauer zu sein: Sie schlug es vor und ich war nicht in der Lage, ihr einen Wunsch abzuschlagen. Ich persönlich war kein großer Freund von Riesenrädern: Ich fand die Dinger absolut überteuert dafür, dass sie nur stupide im Kreis fahren, und das auch noch in einer derartigen niedrigen Geschwindigkeit. Aber allem voran war es doch, da muss ich ehrlich sein, eher die Höhe, die mir zu schaffen machte. Aber es war fast Mitternacht und dementsprechend schon dunkel. Das sprach zwar grundsätzlich für das Riesenrad, stellte mich aber vor die paradoxe Frage, warum zum Henker ich im Dunkeln da einsteigen sollte, wenn ich doch eh nichts sehe (was ich eh nicht hätte sehen wollen). Nichtsdestotrotz, die Tickets wurden gelöst und man stieg ein. Jeder, der schon mal in einem solchen Gerät fuhr, der weiß, dass die Dinger dazu tendieren, von Zeit zu Zeit anzuhalten. Wie glücklich die Menschen sind, wenn sie zu diesem Zeitpunkt ganz oben hängen.

Es war, wie gesagt, Freitag und wir saßen im Riesenrad. Freitags ist auf dem Schützenfest immer ein großes Feuerwerk um Mitternacht und ebendieses stand kurz bevor. Was ich nicht wusste (und sie ebensowenig) war, dass das Riesenrad während des Feuerwerks still steht und man dementsprechend einen tollen Ausblick auf das Lichtspektakel hat, wenn man sich gerade in einer Gondel befindet.
Wir befanden uns in einer Gondel, als das Feuerwerk begann und das Rad stillstand. Um genau zu sein: Wir befanden uns ganz oben. Die Raketen rasten gen Himmel und malten Sterne, Kreise und ähnliches in den verschiedensten Farben in den Himmel. Über uns das Feuerwerk, wir ganz oben alleine in der Gondel, die Augen gen Himmel, immer wieder einen Blick ausgetauscht. Die Stimmung war – wie sagt man so schön? - zum Knistern. Als die Raketen dann anstatt Sterne und Kreise auch noch Herzen in den Himmel malten, blieb mir der Mund offen und das Herz stehen. Ihr ging es, wie mir schien, ähnlich. Das ganze war so nah an Hollywoodkitsch, dass es absolut unwirklich schien, doch dass war ein Gedanke, der mir nicht kam. Es war einfach nur: Schön. Wunderschön. Bis dahin habe ich nicht einmal geglaubt, dass es solche Feuerwerkskörper überhaupt gibt, die Herzen in den Himmel zaubern. Ich hielt es immer für eine fiktive Erfindung der Disney-Filme und wurde eines besseren belehrt.
Natürlich wäre es in einem Film mit einem Kuss weitergegangen, doch hier unterschied sich Hollywood von unserer kleinen Stadt. Selbstverständlich hatte ich den Drang, meinen Kopf zu drehen und die Lippen auf ihre zu pressen, aber ich hatte den Mut wohl unten am Kassenhäuschen abgegeben. Sie selbst erzählte mir später, dass sie ebenso kurz davor war...

Irgendwann war das Feuerwerk vorbei und das Riesenrad setzte sich wieder in Gang. Wir drehten noch zwei Runden, bevor wir das Ding verlassen mussten. Schweigend gingen wir nebeneinander her und ich wünschte mir bei Gott so sehr, dass sie irgendetwas sagen würde. Ganz egal was, ob Schule, Wetter oder Fußball, nur bitte irgendetwas, um dieses Schweigen, welches mir langsam unangenehm wurde, zu brechen. Erst viel später lernte ich, dass es genau diese Momente sind, in denen man mit jemandem zusammen schweigen kann, ohne dass es peinlich ist, die zählen. Aber damals war es mir unangenehm und verzweifelt suchte ich nach Themen.
Wir entschlossen uns, eine letzte Runde zu drehen und dann nach Hause zu gehen. Auf der letzten Runde kam uns mein Nachbar, N., mit seinen Eltern entgegen und entschied sich dafür, sich uns anzuschließen. In genau diesem Moment hasste ich ihn so unsagbar dafür.
Zu dritt gingen wir zu Fuß nach Hause, aus der großen Stadt hinaus und in unser kleines Dorf hinein. Ich schob mein Fahrrad und wir waren ungefähr anderthalb Stunden unterwegs.

Ich weiß heute nicht mehr, wie es dazu kam, dass wir noch zu ihr in ihre Wohnung im Haus ihrer Eltern gingen, aber das einzig logische scheint mir, dass sie uns, um zwei Uhr morgens oder wie spät auch immer, noch hineinbat. Wohl kaum werden N. oder ich dieses vorgeschlagen haben. Wir saßen noch eine Stunde da oben, in ihrer Wohnung, unterm Dach, alberten ein wenig rum. Ich musste – es war ein innerer Drang -, ihre CD-Sammlung inspizieren und war erfreut über ihre kleine Blümchen-Sammlung. Sie schenkte mir eine Blümchen-Single, ich sagte, ich würde sie nur nehmen, wenn sie diese für mich unterschreibe1 – was sie dann auch tat. Sie fragte mich, ob ich noch immer zeichne, und nachdem ich dieses bejahte, musste ich ihr noch ein Bild zeichnen. Dieses Bild, vom 09.07.1999, mittlerweile mehr als dreizehn Jahre alt, befindet sich nun in einem Karton, in einer Plastikfolie, unter meinem Bett. Auf dem Bild bedankte ich mich noch artig für die CD, hinterließ meine Nummer und sagte, ich würde sie am nächsten Tag „oder so“ mal anrufen. In erster Linie, weil ich mich für den wunderschönen Tag bedanken wollte – und das ging in dem Moment ja schlecht, saß doch mein strohdummer Nachbar mit im Zimmer.

N. und ich gingen dann nach Hause, verabschiedeten uns an der Haustür und gingen dann jeder seine eigenen Wege. Meiner führte mich direkt auf die Fensterbank meines Zimmers, wo ich noch eine weitere Stunde dasaß und über den Tag nachdachte. Hätte ich damals geraucht, dann wäre in dieser Stunde sicher eine halbe Schachtel geleert worden.
Es dauerte lange, bis ich einschlafen konnte. Ich dachte über alles nach: Über das, was da scheinbar wieder in mir zu wachsen begann (vielleicht war es immer existent und ich hatte es einfach nur irgendwann erfolgreich ignoriert), an das Feuerwerk, an ihre wundervollen Augen. An ihre Hand, die während des Nachmittags ab und an (wahrscheinlich eher zufällig als absichtlich) meine streifte, während wir nebeneinander her gingen. Die Stunde in ihrem Zimmer.
Wie zum Henker sollte es weitergehen? Ich hatte bei ihr doch keine Chance, es war doch nur das freundschaftliche Verbringen eines Nachmittages/Abends/einer Nacht? Sollte ich es wieder einmal riskieren? Mich wieder einmal blamieren? Wieso sollte ich eine Chance bei dieser Göttin haben? Ich, der kleine Freak mit den bunten Haaren und den Aufnähern und Nieten auf der Jacke? Selten in meinem Leben fühlte ich mich derart glücklich und beschissen zugleich.
Es war bis dahin (und noch für weitere zehn Jahre) der wichtigste Tag meines Lebens.


1Die CD ist noch heute in meinem Besitz, jedoch trennte ich mich 2008 von der signierten Hülle, dem Frieden meiner damaligen Beziehung wegen.


Trenchcoat
Scapegoat

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